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SOZIALES HAMBURG: HIER HILFT MAN SICH!

Hamburger*innen sind distanziert. Hamburger*innen fassen sich kurz. Soweit das Klischee. Aber: Hamburger*innen sind vor allem auch solidarisch. Mit ihren Nachbar*innen. Mit ihren Kolleg*innen. Mit ihren Mitmenschen. Das Fahrrad als sozial- und umweltfreundliches Verkehrsmittel spielt dabei eine besondere Rolle. Denn es befördert Hamburger*innen nicht nur von A nach B – es verbindet Hamburg.

Vor allem während der Coronakrise zeigt sich, wie wichtig die Solidarität in Hamburg ist. So leisten aktuell viele Unternehmen und Privatpersonen täglich Großes – auf und mit dem Rad. Sie fahren ein solidarisches Hamburg für alte und kranke Menschen, für Obdachlose, für Menschen mit Behinderung oder Geflüchtete. Allerdings nicht nur jetzt – sondern schon vor und ganz sicher auch nach der Krise. Ein paar dieser vielen tollen Initiativen möchten wir euch nun vorstellen.

Glücksbringer auf zwei Rädern

recyclehero holt normalerweise wiederverwertbare Materialien von Privatpersonen oder Restaurants per Fahrrad ab. Wegen Corona wurde das Geschäftsmodell jedoch kurzerhand angepasst: Das Team um Nadine Herbrich versorgt inzwischen an sechs Tagen in der Woche Obdachlose mit warmen Suppen, mit StraßenSUPPE. Damit sind sie jedoch nicht die Einzigen, die Gutes für ihre Mitmenschen tun: Auch die klassischen Fahrradkuriere haben aktuell Hochkonjunktur. Sie liefern mehr Blumen, Medikamente und sogar Masken aus. „Unsere Fahrradkuriere zeigen sich durch das Tragen und die kostenlose Verteilung unserer […] selbst angefertigten Masken solidarisch mit unseren Kunden“, erklärt Hendrik Illmer. Er gehört zu den Funkpiloten, die mit dem Rad Hamburg beliefern.

>> Im Porträt: recyclehero und die StraßenSUPPE <<

Mehr Zeit für das Wesentliche: ambulante Pflege auf zwei Rädern

Auch der ambulante Pflege- und Betreuungsdienst Knoll ist mit dem Fahrrad unterwegs zu seinen Pflegekunden – und das schon seit 30 Jahren. Gudrun Knoll hat dabei ganz bewusst auf das Zweirad gesetzt. Für sie spiegelt es eine Grundhaltung wider, verantwortungsvoll mit Menschen und Ressourcen umzugehen. Die Pfleger*innen sind täglich fünf bis acht Kilometer auf dem Rad unterwegs zu ihren Patient*innen in der Neustadt, St. Pauli und angrenzenden Stadtteilen – egal bei welchem Wetter und trotz Corona. Für das Pflegepersonal selber bedeutet das: keine Parkplatzsuche, weniger Stress und somit mehr Zeit für das Wesentliche. Sie fahren jeden Tag ein solidarisches Hamburg für Alte, Kranke und Menschen mit Behinderung.

Mit dem Fahrrad die Integration fördern

Für Menschen mit Behinderung setzt sich auch der Altonaer Fahrradladen re.cycle ein. Dort werden Fahrräder aus dem mittleren bis oberen Preissegment recycelt und für ca. 50 Prozent des Neupreises verkauft. Das Besondere: Die Hälfte der Arbeitsplätze besetzen Menschen mit einer Schwerbehinderung, die sonst kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Bei der täglichen Arbeit stehen den beeinträchtigten Mitarbeiter*innen dafür erfahrene Zweiradmechatroniker zur Seite, die sie einweisen und ihnen das Handwerk beibringen. re.cycle Altona wurde durch das Integrationsunternehmen Zukunft Arbeit GmbH, eine gemeinnützige Gesellschaft der Alida Schmid-Stiftung und der therapiehilfe e. V., ins Leben gerufen. Als anerkannter Integrationsbetrieb wird re.cycle von der Bundesagentur für Arbeit und dem Integrationsamt Hamburg dabei unterstützt, Menschen mit einer schweren Behinderung stufenweise in die Arbeitswelt zu integrieren.

Um Integration dreht sich auch bei Westwind alles. Für sie sind „Fahrräder [...] ökologische Verkehrsmittel, die Mobilität schaffen und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen“. Der 2015 von Freiwilligen gegründete Westwind Hamburg e. V. hilft somit Menschen, die vor Krieg und Terror geflüchtet sind, sich in die Gesellschaft zu integrieren. Bis heute haben die rund 30 ehrenamtlichen Helfer*innen in ihren Werkstätten mehr als 2.000 gespendete Bikes verkehrssicher gemacht und an Bedürftige mit und ohne Migrationshintergrund übergeben. Geflüchtete, die oft in abgelegenen Unterkünften leben, können so am gesellschaftlichen Leben in der Stadt teilhaben. Denn: Das Rad bringt sie überall hin.

Das passt: soziales Handeln und das Fahrrad

Fahrrad fahren, Fahrräder reparieren, Fahrräder verschenken – und damit Gutes tun. Nicht nur jetzt während der Coronakrise, sondern auch danach. Die Fahrradkuriere der Funkpiloten, der Zweiradpflegedienst Knoll oder die Integrationsprojekte von re.cycle und Westwind zeigen: Hamburg steht ein für seine Mitmenschen. Hamburg ist sozial – und solidarisch.

Die sozialen Fahrradprojekte im Überblick:

>> recyclehero und die StraßenSUPPE <<

>> Die Fahrradkuriere der Funkpiloten <<

>> Knoll: ambulante Pflege per Fahrrad <<

>> Die integrative Fahrradwerkstatt re.cycle <<

>> Westwind und neue Räder für Geflüchtete <<

Zur Illustration haben wir lediglich eine kleine Auswahl an sozialen Initiativen gezeigt. Selbstverständlich gibt es noch viele weitere Projekte und Unternehmen, die sich für die Hamburger Bürger*innen einsetzen.