FAHRRADFAHREN IM HOMEOFFICE

DARUM IST BEWEGUNG AKTUELL SO WICHTIG

Dr. Caroline Werkmeister ist ärztliche Leiterin am Athleticum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Als Mannschaftsärztin betreute sie die Fußballabteilung des Hamburger Sportvereins (HSV). Am UKE kümmert sich die Sportmedizinerin um Profisportler*innen, aber auch um Hobby-Athlet*innen. Wir haben mit ihr über den Radfahrtrend des vergangenen Jahres gesprochen, weshalb Bewegung auch in Zeiten der Corona-Pandemie nicht zu kurz kommen sollte und warum das Fahrrad aktuell sowohl ein solidarisches Fortbewegungsmittel als auch ein sinnvolles Sportinstrument darstellt.

Viele Hamburger*innen haben davon berichtet, dass sie das Rad deutlich regelmäßiger nutzen und auch damit verbundene sportliche Ziele haben.
Dr. Caroline Werkmeister
Ärztliche Leitung UKE Athleticum

Frau Dr. Werkmeister, im vergangenen Jahr gab es in ganz Deutschland einen regelrechten Fahrrad-Hype. Auch viele Hamburger*innen haben ihr Mobilitätsverhalten verändert und sind auf das Fahrrad umgestiegen. Haben Sie sich als Sportmedizinerin über diesen Trend gefreut?

„Der Anstieg der Zahlen der Fahrradfahrer*innen hat mich natürlich sehr gefreut und freut mich nach wie vor. Tatsächlich haben wir diesen Trend auch bei unseren Sprechstunden deutlich wahrgenommen. Viele Hamburger*innen haben davon berichtet, dass sie das Rad deutlich regelmäßiger nutzen und auch damit verbundene sportliche Ziele haben. Die Kehrseite ist aber auch, dass die fahrradbedingten Verletzungen und Überlastungen zugenommen haben.“

Aktuell arbeiten viele Hamburger*innen im Homeoffice – und fahren nicht mehr täglich mit dem Rad zur Arbeit. Wegen des Lockdowns und der Wintermonate lassen viele Menschen ihr Fahrrad stehen. Ist das Thema Bewegung aktuell wichtiger denn je?

„Bewegung ist für den Menschen absolut essenziell. Das war natürlich auch schon vor der Corona-Pandemie und den Wintermonaten der Fall. Ich denke aber, dass vielen Menschen in den vergangenen Monaten bewusster geworden ist, wie wichtig Bewegung eigentlich ist. Eben weil sie am eigenen Leib gemerkt haben wie es sich anfühlt, wenn einem die Bewegung fehlt. Deswegen gehört für viele Menschen spazieren gehen oder Fahrrad fahren seit Monaten zum Alltag.“

Was genau ist an Bewegung so wichtig?

„Es gibt einen etwas abgedroschenen Spruch: ‚Leben ist Bewegung.‘ Aber das stimmt tatsächlich. Bewegung ist extrem wichtig, nicht nur für die physische, sondern auch für die mentale und psychische Gesundheit. Durch Bewegung können wir zum Beispiel unsere Immunabwehr stärken oder unser Körpergewicht im Normalbereich halten. Körperliche Aktivität wirkt sich zudem auch positiv auf die Psyche aus. Gründe genug also, sich auch in Zeiten der Corona-Pandemie regelmäßig zu bewegen.“

Können sich umgekehrt ein paar inaktive Monate schädlich auf die Gesundheit auswirken?

„Das kann sogar schon nach wenigen Tagen passieren. Allerdings sind auch die positiven Auswirkungen durch Bewegung anhand von Vitalparametern wie des Blutdrucks, der Herzfrequenz oder des Hormonspiegels sofort messbar. Das ist eben auch das Schöne an körperlicher Aktivität. Und dafür muss man nicht zwingend ins Schwitzen kommen.“

Zum Beispiel beim Radfahren? „Ja, zum Beispiel.“

Fahrrad fahren oder joggen kann beispielsweise bei einer stressigen Arbeitswoche ein gutes Ventil sein, um Anspannungen zu lösen.
Dr. Caroline Werkmesiter
Ärztliche Leitung UKE Athleticum

Warum ist das Fahrrad auch aktuell ein geeignetes Sportinstrument?

„Die Vorteile des Fahrradfahrens liegen auf der Hand: Es hält fit, beugt Bewegungsmangel vor und man kommt an die frische Luft. Außerdem ist das Radfahren risikoarm, gelenkschonend und somit auch gut für Menschen geeignet, die übergewichtig sind. Auch weil das Fahrradfahren mit ausreichendem Abstand in der aktuellen Situation gut handhabbar ist, ist es als aktive Gesundheitsvorsorge absolut zu empfehlen.“

Brauchen die Hamburger*innen in diesem Winter eine Extraportion Motivation, um sich zu bewegen?

„Mein Eindruck ist, dass viele Menschen bereits sehr motiviert sind, sich zu bewegen. Sie haben festgestellt, dass Bewegung und Wohlbefinden sehr eng zusammengehören. Fahrrad fahren oder joggen kann beispielsweise bei einer stressigen Arbeitswoche ein gutes Ventil sein, um Anspannungen zu lösen. Draußen an der frischen Luft sein, sich auspowern und den Kopf frei kriegen ist in der aktuellen Situation sehr wichtig.“

Welche körperlichen Probleme treten im Homeoffice bei Hamburger*innen auf – und was können sie dagegen tun?

„Was wir in den Sprechstunden aktuell immer wieder hören, ist, dass die Hamburger*innen viel mehr sitzen als sonst. Die Menschen sollten daher darauf achten, dass sie zu dieser eintönigen Haltung einen Ausgleich schaffen, um beispielsweise Verkürzungen der Muskeln vorzubeugen. Das geht durch das Öffnen, Strecken und Dehnen der Halswirbelsäule, der Handgelenke, der Schultern und der Hüfte. Solche Übungen lassen sich übrigens auch gut während einer Pause beim Fahrradfahren einbauen. Grundsätzlich empfiehlt es sich auf jeden Fall, in Bewegung zu bleiben. Auch dann, wenn man die eigenen vier Wände nur selten verlässt. Mittlerweile gibt es auf den verschiedenen Online-Plattformen ein riesiges Bewegungsangebot. Für jede Altersklasse und jedes Niveau. Ausreden gibt es also eigentlich keine.“