Porträt

SOLIDARITÄT WÄHREND DER CORONA-KRISE: RECYCLEHERO UND DIE STRASSENSUPPE.

Nadine Herbrich, 34 Jahre, aus dem Grindelviertel Sozialunternehmerin und Mitgründerin von recyclehero

Vor einer Fahrradgarage im Grindelviertel treffen wir Nadine Herbrich, Mitgründerin des sozialen Start-ups recyclehero. Es ist Hamburger Schietwetter, Regen, acht Grad – und wir sitzen draußen auf einer Bank. Nadine hat trotzdem ein Lächeln auf dem Gesicht. Denn sie spricht mit uns über ihr aktuelles Projekt, ihre Herzensangelegenheit – die StraßenSUPPE.

Die gebürtige Merseburgerin hat sich mit ihrem Partner Alessandro Cocco die umweltverträgliche Entsorgung wiederverwertbarer Materialien auf die Fahnen geschrieben. Altglas oder Altpapier werden per Lastenrad von privaten und gewerblichen Kunden abgeholt und gegen eine Gebühr fachgerecht entsorgt. Für diese Mission beschäftigt das Duo zumeist sozial und finanziell benachteiligte Menschen, um ihnen die Integration in die Gesellschaft zu erleichtern. Sie sind die recycleheroes.

Doch dann kam die Corona-Krise, Restaurants mussten schließen – und so brachen 75 % der Kunden weg. Auch recyclehero war nun in Gefahr. Was nun? Für Herbrich war die Antwort klar: „Wir sehen das als Chance und wir müssen was machen“, sagt die junge Unternehmerin. Und so wurde aus einem Fahrradabholservice kurzerhand ein Lieferservice für hilfsbedürftige Menschen – die StraßenSUPPE war geboren.

Gemeinsam für Hamburg

Per Lastenrad steuern die 34-Jährige und ihr Team inzwischen an sechs Tagen in der Woche von Altona über die Reeperbahn bis ins Schanzenviertel und die Spitalerstraße verschiedene dezentrale Punkte an. Dabei versorgen sie obdachlose Menschen, Drogenabhängige und Bedürftige mit warmen hochwertigen Suppen, belegten Brötchen, Hygieneartikeln – und dem Gefühl der Geborgenheit. „Es geht um viel mehr, als einfach nur Suppe auszufahren. Wir sind für diese Menschen in einer schweren Phase da, jeder Tag bringt mehr Vertrauen. Ich empfinde es als Ehre, diesen Personen helfen zu dürfen“, beschreibt Herbrich das Projekt.

Entstanden ist die Idee im Austausch mit Nikolas Migut vom Obdachlosenverein StrassenBLUES und dem Chefkoch des Restaurants Engel Tarik Rose. „Da haben wir natürlich keine Sekunde gezögert“, erklärt Herbrich. Während die 34-Jährige ihre Geschichte erzählt, sprudelt es förmlich aus ihr heraus. Man merkt, dass sie gerne etwas Gutes tut, dass sie „einfach helfen“ will.

Mit dem Fahrrad die Gemeinschaft stärken

Umweltbewusstsein und soziales Engagement

Dass sich bei den umweltbewussten und sozial engagierten recycleheroes auch sonst alles ums Rad dreht, ist kein Zufall: Man könne mit dem Fahrrad etwas für die Gemeinschaft tun, sagt Herbrich. Vor allem das Lastenrad steht außerdem „für ein friedliches Stadtbild“ – und sorgt dafür, dass Hamburg ein schönerer und gesünderer Ort wird. „Wir möchten die Leute damit anstecken“, erklärt die Sozialunternehmerin und deutet auf eines ihrer drei in Hamburg produzierten Schwerlastenräder hin. Auch Herbrich selber hat eine besondere Beziehung zum Fahrrad: „Ich erledige alles mit dem Rad. Ich liebe es, damit zu fahren. Es ist für mich ein Begriff für Freiheit.“

Solidarität zeigen – auch nach der Krise

Wenn Herbrich an die Zukunft von recyclehero denkt, bleibt sie – trotz Corona – optimistisch: „Hamburg ist ein sehr solidarischer Ort. Wenn du Gutes tust, wird man gerne Kunde bei dir. Das stimmt mich positiv.“ Sie kann sich darüber hinaus auch gut vorstellen, weiterhin Obdachlose und Bedürftige zu beliefern. Oder einfach mal Senioren und Seniorinnen anzusteuern und ihnen Gesellschaft gegen die Einsamkeit zu leisten. In jedem Fall spricht die 34-Jährige schon jetzt von der „sinnvollsten Aufgabe“, die sie jemals gemacht hat. Es sei für sie eine einmalige Chance und eine nachhaltige Möglichkeit, Hamburg zu verändern – auf und mit dem Fahrrad.

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