Porträt

FÜR HAMBURG: INNOVATIVE FAHRRADABSTELLMÖGLICHKEITEN

Wir treffen uns digital mit Martha Starke und Beate Kapfenberger, Gründerinnen und Gestalterinnen von morgen. Seit 2014 stoßen sie aus den Hamburger Zinnwerken in Wilhelmsburg heraus gesellschaftliche Veränderungen an. Veränderungen für ein verantwortungsvolles Miteinander. Veränderungen, um Räume und Prozesse zu sensibilisieren. Veränderungen zwischen Design und Aktivismus.

Marthas und Beates Lächeln ist ansteckend – sogar über den Computerbildschirm. Denn die beiden sprechen mit uns über ein Thema, das ihnen besonders am Herzen liegt – zukunftsweisende Radabstellmöglichkeiten für Hamburg. Dafür haben die beiden gemeinsam mit einem hochschulübergreifenden Team die diesjährige Summer School unter das Thema RADhaus gestellt.

Bei dem interdisziplinären Projekt ex_kurs traten vom 17. bis zum 30. August Studierende der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW), der HafenCity Universität Hamburg (HCU), der Technischen Universität Hamburg Harburg (TUHH), des »Natural Building Lab« der Technischen Universität Berlin (TU B), des Mobilitätslabors und lokale Expert*innen des Alltags miteinander in Aktion, um eine zukunftsweisende Radabstellmöglichkeit für die Stadt Hamburg zu entwickeln.

Wir wollen mit kreativen Ideen den Alltag der Menschen verbessern

Das Ziel? Innovative und vor allem praktische Lösungsansätze für ein Hamburger Fahrradhaus der Zukunft zu gestalten. „Wir wollten damit einen wissenschaftlichen Austausch zwischen der Zivilgesellschaft und Hochschulen ermöglichen, um mit kreativen Ideen den Alltag der Menschen zu verbessern“, erzählt Martha. Und warum gerade dieses Thema? „Radabstellmöglichkeiten treiben uns schon lange um. Aus eigenem Interesse und auch aus Beobachtungen im Hamburger Straßenraum heraus“, erklärt Beate. Die beiden sind täglich mit dem Fahrrad in der Hansestadt unterwegs. Doch immer wieder stehen sie vor dem gleichen Problem: Wo können sie ihren Drahtesel schnell und sicher abstellen?

Lösungsansätze dafür zu finden, war die Aufgabe von 20 Teilnehmer*innen der Summer School. Dazu wurden sie in fünf verschiedene Teams eingeteilt, die möglichst interdisziplinär sein sollten. „Von Maschinenbauern über Architekt*innen, Kommunikationsdesigner*innen, Städteplaner*innen oder Verkehrsplaner*innen war alles dabei“, berichtet Martha. Die erste Woche, die Entwurfsphase, fand digital statt. In der zweiten Woche durften sich die Teilnehmer*innen dann auch von Angesicht zu Angesicht treffen, um die Konzepte gemeinsam in Prototypen zu verwandeln

Aufgrund der Kürze der Zeit konnten allerdings nicht alle Ideen umgesetzt werden. „Daher gab es eine Abstimmung von externen Expert*innen, dem Organisationsteam und den Teilnehmer*innen, die alle gleichermaßen stimmberechtigt waren“, erklärt uns Beate. Von den fünf Konzepten wurden zwei ausgewählt, an denen die Teams weiterarbeiten sollten. Alle zusammen. „Damit wollten wir zum einen den Wettbewerbscharakter der ersten Woche auflösen und zum anderen schadet es nie, wenn sich zusätzliche Expertise und eine eigene Interpretation einer ‚fremden‘ Idee widmen“, sagt Martha

Und die Ergebnisse sprechen für sich. Da wäre zum einen die sogenannte Dreiecksbox: eine Fahrradabstellbox mit zwei Ebenen. Im unteren Bereich können Fahrräder, Lastenräder oder Kinderwagen abgestellt werden – sicher vor Diebstahl und Regen. Oben ist ein Schienensystem installiert, auf dem zusätzliche Fahrräder Platz finden – optimal für Kurzparker. Zudem gibt es freie Flächen, die genutzt werden können, um das Dach zu begrünen. Eine weitere Besonderheit: Die Dreiecksbox lässt sich auch mit gebrauchten Materialien konzipieren, mit unterschiedlichen Formen und Farben, sodass das Design auch an den jeweiligen Standort in der Stadt angepasst werden kann. „Diese Idee finde ich besonders innovativ, weil sie durch die zwei Ebenen Platz spart, praktisch ist und gleichzeitig auch als optisches Highlight eingesetzt werden kann“, schwärmt Beate.

Marthas Favorit ist der Radpark Hamburg. Es ein modularer Entwurf, sodass verschiedene Einheiten ergänzt oder weggelassen werden können – je nach Platz. Das Prinzip: Es gibt verschiedene Boxen, die abgeschlossen werden können, um das Fahrrad sicher unterzustellen. Auch bei dem Radpark gibt es mit dem Dach eine zweite Ebene, die über eine Treppe erreicht werden kann. Je nach Größe kann die zweite Etage zur freien Verfügung genutzt werden – für eine kleine Dachterrasse zum Beispiel. „Bei diesem Entwurf kommt neben der praktischen und sicheren Fahrradabstellmethode auch das Thema Solidarität zwischen Nachbarn oder Hausgemeinschaften zum Tragen“, erzählt uns Martha. „So einen Radpark hätte ich gerne bei mir im Hinterhof stehen. Das Haus könnte auch als gesellschaftlicher Treffpunkt genutzt werden, oder als Erweiterung des Gartens.“

Und wann können die innovativen Radabstellmöglichkeiten in Hamburg bewundert werden? „Mein Bauchgefühl ist zwar hoffnungsfroh, aber wir müssen wahrscheinlich sehr geduldig und hartnäckig bleiben. Wir arbeiten gemeinsam mit einem Team von Teilnehmer*innen zunächst ehrenamtlich daran, dass die Prototypen auch in einer größeren Stückzahl produziert werden können. Dann ist das natürlich die ideale Chance für eine Stadt wie Hamburg, ein ästhetisches Fahrradparken mit zu ermöglichen. Unser hochgestecktes Ziel ist es, mit kostenfrei zur Verfügung gestellten Radparkplätzen die Mobilitätswende zu beschleunigen“, erklärt Martha. Die beiden sind daher auf Unterstützung und Geduld angewiesen. „Trotzdem haben wir große Ziele. Wir haben das ja nicht nur als Selbstbeschäftigungstherapie gemacht“, sagt Beate schmunzelnd.

Wir wollen dem Fahrrad etwas mehr Raum geben.

Martha und Beate wollen mit den Projekten aus der Summer School auch langfristig dazu beitragen, dass die Fahrstadt Hamburg noch fahrradfreundlicher wird. „Überall kann man sein Auto parken, aber für das Fahrrad bleibt häufig kein Platz mehr“, sagen sie. „Wir wollen, dass dem Fahrrad mehr Raum gegeben wird. Das Auto ist zu einem Statussymbol geworden. Warum sollte es das Fahrrad nicht auch schaffen?“